Mail von der Stadt

Ihr Anliegen wurde heute Morgen in der Bau-Dienstbesprechung geklärt.

Aufgrund der besseren passiven Sonnenenergienutzung auf der Giebelseite und der Lage in der zweiten Reihe kann eine Befreiung von der festgesetzten Firstrichtung in Aussicht gestellt werden.

Eine zusätzliche Beteiligung der städtischen Gremien (Bau- und Umweltausschuss) wurde nicht für notwendig erachtet.

… Diese Mail erreichte mich am späteren  Dienstag nachmittag. Da ich die Woche aber geschäftlich unterwegs war komme ich erst jetzt dazu der Welt die frohe Kunde mitzuteilen.

Hooray.

Herr Architekt hatte im Vorfeld an die „Baudienstbesprechung“ den Kollegen von der Stadtverwaltung noch einige Informationen, warum denn der First zu drehen sei bereitgestellt. Die Kernargumente, die scheinbar die Kollegen von der Stadt Calw überzeugten:

  • Die notwendigen Abstandsflächen zu den Grenzen können komfortabel eingehalten werden.
  • Mit den in Osten und Westen angrenzenden Nachbarn stehen wir nicht mehr mit den Giebeln dicht an dicht. Sowohl für die Nachbarn, als auch für uns, entspannt und verbessert sich die Situation durch drehen der Firstausrichtung erheblich.
  • An der Grenze zu den Nachbarn steht jetzt nicht unsere hohe Giebelwand.Dadurch daß unser First fast in unserer Grundstücksmitte liegt, und die viel niedrigere Traufwandhöhe zu den Nachbarn, bekommen die Nachbaren mehr Licht und Sonne.
  • Ein entscheidender energetischer Vorteil unserer solaren Architektur ist unser Ganzglasgiebel. Um die passive Solarenergie bestmöglich zu nutzen, ist die ideale Ausrichtung des Ganzglasgiebels (und damit auch die Firstrichtung) eine Südausrichtung.Die im Winter und Frühjahr tief stehende Sonne trifft so auf das Glas, sodaß sich die Innenräume allein durch die Sonneneinstrahlung behaglich erwärmen. Die Heizung erkennt diese Wärmegewinne und regelt runter.Im Sommer, wenn die Sonne fast senkrecht steht, schützen unsere weiten Dachüberstände die Innenräume auf der Südseite vor dem Erhitzen. Von dem Nordgiebel sind keine Sonneneinträge zu erwarten. Der Idealfall.
    Ganz anders verhält sich unser Haus mit einer Ost-West-Ausrichtung.Hier steht die im Sommer sehr intensive Morgen- und Abendsonne in beiden Giebeln.Eine mechanische, kostenintensive Beschattungsanlage wäre bei dieser Hausstellung unerläßlich.

In der Mail von Herrn Architekt ist auch eine erste Skizze unserer Planungsdiskussionen zu sehen. Ich will nicht alles vorwegnehmen, nur eine Frontansicht sei schon mal gegönnt:

Den Rest will ich gesondert erläutern.

Kommenden Dienstag (als ob Dienstag unser Hausbau-Tag sei) wird ein Kollege vom Herrn Architekt – nennen wir ihn Herrn Huf-Finanz – uns gegen Abend besuchen. In diesem Termin gilt es zu klären, ob denn überhaupt das uns vorschwebende Haus leistbar ist. Um ehrlich zu sein – ich bin skeptisch. Die Kollegen auf der Arbeit rechts und links von mir haben für wesentlich weniger finanziert. Aber um herauszufinden ob das uns vorschwebende Projekt leistbar ist muss man wohl in der Planung weit genug gehen.

Zur Vorbereitung des Finanzierungsgesprächs kam mir die aktuelle Ausgabe der Wirtschaftswoche noch mal wie gerufen: „Superzinsen: Vorfinanzieren, umschulden, neu abschließen – die besten Kniffe für Ihren Immobilienkredit“. Gekauft und festgestellt, dass der Informationsgehalt der reisserischen Überschrift nicht standhalten kann. Die Quintessenz: Ja. die Zinsen sind günstig. Ja. Es ist ein guter Zeitpunkt in eine Immobilien zu investieren. Nein, man sollte keinen Schrott kaufen.
Also nichts neues. Immerhin gibt’s ne schöne Tabelle wer welche Zinsen grad bietet. Mal sehen was Herr Huf-Finanz so anbietet.

Also heißt es für heute wieder: Crossing fingers for tuesday.

 

Vitamin D gegen den Jetlag

Gestern kam Bastian aus Montvale, New Jersey (bei New York) wieder und quasi das erste, was er sagte war, dass er heute mit mir wandern gehen möchte. Heute morgen machten wir uns bei kühlen 11 °C auf den Weg nach Eckenbrechtsweiler auf der schwäbischen Alb hinter der Burg Teck. Unser erster Aussichtspunkt war am Beurener Fels nach ca. 2km. Hier ist auch das Panorama oben aufgenommen (mit der Maus nach links oder rechts drehen). Der weg führte, wie typisch für die Schwäbisch Alb, immer am Trauf entlang, so dass es kaum Höhenmeter zu überwältigen gab. Die meiste Zeit der Strecke haben wir keine Menschen getroffen. Am Brucker Fels aßen wir unser Käsebrot und genossen in der Sonne die Aussicht auf die Burg Teck. Über Stock und Stein führte uns der Weg nach Eckenbrechtsweiler zurück und weiter zur Burg Hohenneuffen, wo wir schon auf dem Hohenneuffener Wanderparkplatz von vielen Autos und Menschen überrascht wurden. Wir hatten das „Glück“, dass heute die Kreiskliniken auf der Burg Hohenneuffen ein Fest gaben, es eine Falknershow gab und demnach viele Leute oben waren. Ein schnelles Kristallweizen und eine schnelle Apfelsaftschorle mussten zur Erfrischung reichen, so dass wir uns auf den Weg zurück zum Auto machten. Dabei kamen wir am Startpunkt für die vielen Gleitschirmflieger vorbei. Bei angenehmen Temperaturen und Sonne sitzen wir nun entspannt auf dem Balkon. 🙂

Skelette aus Holz?

Jetzt hab ich ja schon über’s Grundstück und den Termin von gestern geschrieben aber noch garnichts über das Haus selbst. Here you are.

Was unser Haus alles können soll muss noch erstmal ein bisschen warten. Erstmal ein paar Takte über den Haustyp im allgemeinen. Wenn man im Netz nach modern erscheinenden Häusern sucht stößt man allenortes auf Häuser im „Bauhaustil“. Mies van der Rohe und Le Corbusier hätten sich im Grabe umgedreht. Nein. Nicht alles was weiß, Würfelförmig ist und schwarze Fensterrahmen besitzt ist Bauhausstil. Wer sich einen first-hand Eindruck verschaffen will, wie gut echte Bauhaus-Architektur ist, sei ein Besuch in der Weissenhof-Siedlung in Stuttgart empfohlen.

Anyhow. Nach anfänglichen Netzrecherechen besuchten wir aus Spaß eine Musterhaussiedlung von Fertighäusern in Fellbach, schauten hier und da. Das Konzept Fertighaus erschien und erscheint mir attraktiv. Wie überall gibt es gute und schlechte Anbieter (vermute ich mal), teure und billige. Was ich mir von einem Fertighaus aber tendentiell verspreche ist eine höhere Fertigungsqualität: Wenn ich mir so manch demotivierten Handwerker im Nieselregen auf einer Baustelle vor sich hinwerkeln sehe fällt es mir schwer zu glauben, dass dabei höchte Qualität ensteht. Dahingegen werden Bauteile eines Fertighauses in der Regel unter optimalen Produktionsbedingungen auf geeigneten Fertigungsanlagen maschienenunterstützt hergestellt. Brave new world.

In eben dieser Musterhaussiedlung standen also nun Häuser aller couleur. Die meisten also mehr oder minder normal. Heraus standen für mich zwei Häuser, die folgende Eigenschaften teilten:

  • Rahmenlose, fest verbaute Glasscheiben vom Fußboden bis zur Decke.
  • Klare Formen und Konturen
  • Farbliche Reduktion auf Schwarz und Weiß
  • Kein Verstecken der tragenden Konstruktion
  • Tragende Konstruktion aus schwarzen Holzbalken

Super! Genau mein Ding. Anfänglich gefiel’s mir einfach gut. Nach Freud’scher Psychoanalyse meines Inneren führe ich meine Zuneigung zu diesem Haustyp auf die Frühkindlichen Erinnerungen aus meinem Elternhaus zurück: Dort gibt’s auch Panorama-Glasscheiben (wenn auch nicht Rahmenlos), die in schwarzem Holz eingefasst sind.

Die beiden Häuser in Fellbach sind:

Musterhaus DaVinci:

 

 

 

 

 

Musterhaus HUF:

 

 

 

 

 

Aha! Sowas wollen die Herren und Damen Stahmer also haben.Sieht ja aus als wenn Piet

Mondrian sich mal in Häusern versucht hätte und nur dummerweise seine Farbpalette vergessen hätte. Fast. Bei HUF hatte er zum Glück noch eine große Tube Preussisch Blau für die Tür dabei.

Was zeichnet diesen Haustyp aus und warum sehen die beiden Häuser fast gleich aus?

Beide Häuser sind Holzskeletthäuser, d.h. die schwarzen Balken sind nicht nur Styling sondern tatsächlich die tragende Konstruktion, wie bei einem Fachwerkhaus. Erst diese Konstruktion erlaubt es überhaupt so üppige Fensterkonstruktionen zuzulassen. Sucht man mal im Netz nach „Holzskeletthaus“ wird man feststellen, dass alles was man findet dem gleichen Stil mehr oder minder folgt. Mal andere Farben, mal andere Maße aber das Erscheinungsbild bleibt gleich.

Das tolle ist, wenn man erstmal so einen Begriff hat, weiß man wonach man suchen muss.

Es soll also ein Holzskeletthaus werden. Aber warum eigentlich?

(hier wollte ich eigentlich aufschreiben, was mir an dem Haus gefällt. Aber beim Aufschreiben stellte ich fest, dass das jemand anderes schon viel besser gemacht hat. Dieser jemand anderes ist ein gewisser Dieter Rams. Also known als the godfather of good design.)
Ich will einmal versuchen, seine Thesen auf die Holzskeletthäuser anzuwenden.
Ich widerspreche nicht, wenn mir eine gewisse Voreingenommenheit vorgeworfen wird. Nevermind:

Gutes Design ist innovativ
Die Möglichkeiten für Innovation sind noch längst nicht ausgeschöpft. Die technologische Entwicklung bietet immer wieder neue Ausgangspunkte für innovative Gestaltungskonzepte, die den Gebrauchswert eines Produktes optimieren. Innovatives Design entsteht aber stets im Zusammenhang mit innovativer Technik und ist niemals Selbstzweck.

Direkt hier beim ersten Punkt musste ich am längsten überlegen. Aber ich als Laie denke: Mit so viel Glasflächen Spannweiten von max 3m (HUF) zu überbrücken und trotz der vielen Fenster ca. 55kWh/qm zu erreichen bedarf einer ganzen Ecke KnowHow.
Mangelnde Innovation hinsichtlich Konstruktion und Materialien kann ich also nicht erkennen.

 

Gutes Design macht ein Produkt brauchbar
Man kauft ein Produkt, um es zu benutzen. Es soll bestimmte Funktionen erfüllen – Primärfunktionen ebenso wie ergänzende psychologische und ästhetische Funktionen. Gutes  Design optimiert die Brauchbarkeit und lässt alles unberücksichtigt, was nicht diesem Ziel dient oder gar entgegensteht.

Ein Haus ist zum Bewohnen da. Soweit, so gut. Ein Holzskeletthaus erfüllt ist also schon mal brauchbar. Was durch das Holzskelett erreicht wird ist durch den Verzicht auf tragende Wände zugunsten der Pfosten eine maximal flexible Raumaufteilung sowie – sofern gewünscht – der Verzicht auf Wände. Somit kann die spezifische brauchbarkeit für den Hausbesitzer maximiert werden.

 

Gutes Design ist ästhetisch
Die ästhetische Qualität eines Produktes ist integraler Aspekt seiner Brauchbarkeit. Denn Geräte, die man täglich benutzt, prägen das persönliche Umfeld und beeinflussen das Wohlbefinden. Schön sein kann aber nur, was gut gemacht ist.

 

Ästhetik ist natürlich höchst subjektiv. Und nein, ich habe nicht die Häuser nach vorhandensein des Goldenen Schnittes untersucht um zu versuchen, Objektivität mit hereinzubringen. Aber pauschal gesprochen wirkt bei HUF für mich das Verhältnis von Flächen und Balken im Kontrast Schwarz/Weiß ausgeglichen und wohlproportioniert. Gleiches gilt für die Verhältnisse von Dachüberstand, Dachneigung und Abmaße. Wie gesagt, dies ist ein sehr subjektiver Punkt.

 

Gutes Design macht ein Produkt verständlich
Es verdeutlicht auf einleuchtende Weise die Struktur des Produkts. Mehr noch: es kann das Produkt zum Sprechen bringen. Im besten Fall erklärt es sich dann selbst.

True. Die Holzskelettbauweise ist für jeden frei sichtlich. Es ist sofort erkennbar wo ein Geschoss endet und das nächste beginnt. Eine Wandfläche wird von einer Glasfläche durch eine klare schwarze Linie getrennt. Es genügt ein Blick auf eine Fassade / Wand und es ist klar, welche Funktion eine Fläche / Balken erfüllt.

 

Gutes Design ist ehrlich
Es lässt ein Produkt nicht innovativer, leistungsfähiger, wertvoller erscheinen, als es in Wirklichkeit ist. Es versucht nicht, den Verbraucher durch Versprechen zu manipulieren, die es dann nicht halten kann.

Mein Lieblingspunkt. Bei diesen Holzskeletthäusern, vor allem bei der HUF-Konstruktion wird nichts versteckt. Balken liegen auf Balken, Balken sind verschraubt. Die Verschraubungen sind mit Unterlegscheiben und Hutmuttern fixiert. Kreuzen sich zwei Balken, liegen diese aufeinander. Keine Verblendungen, keine schwarzen Verfugungen um Spalte zu überdecken. Gerade dieser Punkt überzeugt mich. Eine gute Konstruktion hat es nicht nötig, sich zu verstecken sondern kann die gute Ausführung zur Schau stellen.

 

Gutes Design ist unaufdringlich
Produkte, die einen Zweck erfüllen, haben Werkzeugcharakter. Sie sind weder dekorative Objekte noch Kunstwerke. Ihr Design sollte deshalb neutral sein, die Geräte zurücktreten lassen und dem Menschen Raum zur Selbstverwirklichung geben.

Unaufdringlich… Hm. Wer das Haus mit einem Standardhaus vergleicht wird natürlich zuerst das Design bemerken. Ist es deshalb auffällig? Ich würde sagen „anders“.  Hat man diesen Umstand aber erstmal akzeptiert, teilt das Design des Hauses den Raum in klare Flächen und Formen auf. Daher lasse ich den Punkt auch mal für unseren Haustyp gelten.

 

Gutes Design ist langlebig
Es vermeidet modisch zu sein und wirkt deshalb nie antiquiert. Im deutlichen Gegensatz zu kurzlebigem Mode-Design überdauert es auch in der heutigen Wegwerfgesellschaft lange Jahre.

Ja. Bei diesem Punkt geben mir die letzten ca. 30 Jahre recht. So lange gibt es diesen Haustyp meines Wissens nach schon und wenn ich mir alte Bilder im Netz anschaue muss ich sagen dass sich die Form nicht groß verändert hat und noch immer zeitlos gut aussieht. (Achtung. Der Schreiber ist vielleicht verblendet.) Zumindest finde ich bei allen Häusern von HUF kein Terracotta, Schwammtechnik oder aber Orangegrelle Fassaden.

 

Gutes Design ist konsequent bis ins letzte Detail
Nichts darf der Willkür oder dem Zufall überlassen werden. Gründlichkeit und Genauigkeit der Gestaltung sind letztlich Ausdruck des Respekts dem Verbraucher gegenüber.

Zur Erfüllung dieser These führe ich meine Erfahrungen vom Letzten Wochenende an:
Ich hatte einen Grundriss von HUF vorliegen, den ich auf den Prüfstand stellte. Es galt zu schauen ob man die EIngangstür von der Querseite auf die Stirnseite verlegen könne. (Der Grundriss ist mit Sicherheit mind. einen eigenen Blogeintrag wert)
Um das Ganze für hier abzukürzen: Ich habe ca. 4 Stunden herumgepuzzled und geschaut ob ich eine annähernd gute Raumaufteilung und Raumeindruck-erhaltende Version aufstlellen kann. Nein. Kann ich nicht. Meh. Immerhin hat Herr Architekt das auch nicht geschafft. Der also ursprünglich von HUF bereitgestellte Grundriss erfüllte die von Diddy Rams aufgestellte These.

 

Gutes Design ist umweltfreundlich
Das Design leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Umwelt. Es bezieht die Schonung der Ressourcen ebenso wie die Minimierung von physischer und visueller Verschmutzung in die Produktgestaltung ein.

Das hier ist einfach. 55kWh/qm, Großzügige Verwendung von nachhaltig angebautem Holz, dazu Einsatz von Geothermie, Solar und/oder Luftwärmetauschern bei HUF.
Natürlich gibt es mit Sicherheit Passivhäuser oder Plushäuser, allerdings sehe ich bei den gegebenen Fensterflächen einen solchen Wert als umweltfreundlich an.

 

Gutes Design ist sowenig Design wie möglich
Weniger Design ist mehr, konzentriert es sich doch auf das Wesentliche, statt die Produkte mit Überflüssigem zu befrachten. Zurück zum Puren, zum Einfachen!

Natürlich ist alles Gestaltet, d.h. auch designed. Aber erfüllt alles sichtbare eine Funktion. Sei es Durchlassen von Licht, Tragen einer Konstruktion, Verbinden von Elementen. Von Jugendstilhaften Ornamenten, Fresken, Schnörkeln, zusätzlichem Ballast, … ist nichts zu finden. By the way: Sagt Dieter Rams hier grad, dass Frank Gehry kein gutes Design macht?

Über einen kritischen Diskurs über oben von mir geschriebenes würde ich mich sehr in den Kommentaren freuen.

Über das Für und Wieder der verschiedenen Anbieter  (ja es gibt noch mehr neben DaVinci und HUF) geht’s dann in einem anderen Artikel weiter.

Amtlich.

Heute standen gleich zwei Termine an:

  • Eine Besichtigung des Baugrundstücks mit unserem Architekten
  • Der Besuch beim Bau-Ordnungsamt gemeinsam mit Herrn Architekt um vorab zu klären ob wir unsere Pläne auf dem Grundstück verwirklichen können.

Die Schwierigkeit besteht nämlich darin, dass das von uns favorisierte Haus an den Giebelseiten zu gefühlt 90% aus Glasflächen bestehen wird. Diese schönen großen Fenster sollen nun natürlich nicht dazu genutzt werden um den Nachbarn rechts und links von uns tiefe Einblicke in unser Privatleben zu gewähren sondern sollen ‚gen Wald zeigen. so dass wir von drinnen einen schönen Ausblick haben.

Dumm nur, dass laut Bebauungsplan genau das nicht erlaubt ist sondern alle Häuser artig in Reih und Glied stehen sollen, mit den Dachschrägen zur Straße bzw. zum Wald.

Vor Ort hielten wir also ausschau nach evtl. schon gestatteten Ausnahmegehmigungen die es uns in der Argumentation einfacher machen würden, die von uns gewünschte Erlaubnis zur Drehung des Hauses um 90° zu erlangen.

Während in unserer Bebauungsreihe keine anderen Häuser gedreht wurden gab es doch einige mit „atypischen“ Dachformen, d.h. Unsymmetrisch (also known as potthässlich) oder aber ein oranges Haus mit Pultdach, dessen Erscheinungsbild sich nicht wirklich einordnet und dessen größte Front, wenn man also will dessen Giebelfläche auch zum Waldrand zeigt.

Mit Argumenten und Fotos bewaffnet trafen wir nach Besichtigung des Grundstücks auf dem Calwer Bau-Ordnungsamt auf zwei eigentlich ganz umgängliche Herren, die unser Herr Architekt aufs beste verargumentierte.

Neben den offensichtlichen Ausnahmen bei den anderen Häusern (aber eben leider keine Drehung des Firstes) wären als Argumente für die Drehung zu nennen:

  • Durch die großen Fensterflächen wird im Winter nicht unerheblich Sonnenenergie = Wärme eingebracht. Bei Drehung des Hauses zeigen diese Flächen nach Süden, d.h. dem Anspruch an energieeffizientes Bauen wird somit entsprochen. Im Sommer schützen übrigens die großen Dachüberstände bei steiler stehender Sonne vor Überhitzung durch die Glasflächen
  • Es sollte im Sinne der Nachbarn sein, dass diese sich nicht von uns permanent beobachtet fühlen (was aber auf Gegenseitigkeit beruhen würde). Da die Längsseiten des Hauses geschlossener sind, ist es also im Interesse aller Hausbesitzer dort, das Haus zu drehen
  • Weiterhin ist das Haus länger als breit. Durch Drehen des Hauses steigt also der Abstand zwischen den Nachbarn links und rechts von unserem Haus. Somit hat jeder mehr privatsphäre und es gibt weniger Verschattung.
  • Der von uns gewählte Bauplatz ist in zweiter Reihe und nur über eine Zufahrt via Wendehammer zu erreichen. Das Haus ist also perfekt versteckt, so dass das Erscheinungsbild des Straßenzuges, der ohnehin schon sehr bunt ist, nicht gestört.

Die Kollegen vom Amt hörten sich unsere Argumentation interessiert an. Ob Begeisterung oder Ablehnung war den Kollegen nicht direkt abzulesen. Ich meine eine leicht positive Tendenz wahrgenommen zu haben.

Allerdings ist es scheinbar wie überall so: Keiner will Verantwortungen für Entscheidungen übernehmen. Daher wird unser Gesuch in der nächsten internen Besprechungrunde kommenden Dienstag besprochen werden. Hier kann es bereits einen Entschluss geben oder – falls nicht – wird die Entscheidung in irgend ein weiteres Stadtgremium getragen. Problem ist nur, dass dieses Gremium erst im September wieder tagt. Hoffen wir also dass nächster Dienstag gut verläuft.

Hierzu wird Herr Architekt ein paar Unterlagen bereitstellen, so dass unsere Kollegen von heute unser Anliegen gut vorbereitet vorstellen können.

Die Unterlagen:

Nach dem Besuch ging’s also darum etwas zu generieren, anhand dessen die Kollegen vom Amt ihren weiteren Kollegen erklären sollen, warum wir den First drehen wollen. Sprich: Wir durften Hausplanung spielen! Anhand dieser Pläne wird Herr Architekt erste 3D-Skizzen erstellen und gemeinsam mit oben genannten Argumenten den Kollegen vom Amt bereitstellen.

Wir bastelten am Erdgeschoss ca. 1h herum, spielten mit der Eingangstür an der Längs- und Querseite, schauten ob und wie ein Gäste/Arbeitszimmer am besten ins EG passt. Weiter ging’s anschließend mit dem Obergeschoss, 2 oder 3 Schlafzimmer? Großes Bad oder große Zimmer? Offene Fläche oder lieber Ankleide? Dachfenster? Ja bitte.
Gleiches galt für den Keller. Luft-Wärmetauscher oder Geothermie? Alles das wurde heute in ca. 4 Stunden durchgegangen, natürlich ist noch nichts final aber eine erste Planung wurde gemacht, schon bis zu dem Detaillierungsgrad wo es Kippfenster und wo geschlossene Wandelemente gibt. Details hierzu wird es zum geeigneten Zeitpunkt auch hier geben.

Wir werden also voraussichtlich schon am Sonntag/Montag erste Skizzen vom Haus haben 🙂

Hiermit ist also aber auch eine erste, mittlere vierstellige Zahlung verbunden. Wir haben einen Planungsauftrag unterzeichnet. Dieser Planungsauftrag leistet uns eine komplette Detailplanung des Hauses und die Begleitung bis zum Vertragsabschluss. Da ja noch nicht 100%ig sicher ist, dass es dieses Haus auf diesem Bauplatz wird ist natürlich Risiko mit im Spiel aber ohne diesen Planungsauftrag werden wir nie wirklich erfahren, ob’s klappen würde. Das gute jedoch ist, dass sollte das Grundstück nicht unseres werden, bei Planung auf einem neuen Grundstück nicht noch einmal der Auftrag fällig ist. Sollten wir uns jedoch einen anderen Anbieter suchen ist – na klar – auch das Geld hin .

Wie geht’s weiter? Wir warten auf Dienstag was die Kollegen vom Amt erreichen. Sollte es hier positive Signale geben, geht’s voraussichtlich bei der Finanzierung weiter. Und letztendlich wird diese entscheiden ob Projekt Haus in Calw was werden kann…

 

Ein Grundstück in Aussicht…

Mein erster Post in diesem Blog und mein erster Post zu einem neuen Projekt: Hausbau!

Nach etlichen Abenden der Recherche nach einem Grundstück im Einzugsgebiet des Entwicklungsstandortes eines in Stuttgart ansässigen Automobilherstellers sind wir in Calw auf ein interessantes Grundstück gestoßen welches unsere Kategorien erfüllt:

  • Randlage
  • Fahrzeit < 45 Min zur Arbeit
  • qm-Preis < 200€
  • Grundstücksgrösse > 500qm
  • Neubaugebiet

Eben dieses Grundstück liegt nun in Calw / Wimberg und bietet uns die Möglichkeit auf 735qm zu wohnen. Das Grundstück ist für ca. 8 Wochen derzeit reserviert und diese Zeit brauchen wir auch um zu klären:

  • Was für ein Haus stellt man darauf?
  • Erlauben die Auflagen das Haus drauf zu stellen?
  • Passt die Infrastruktur vor Ort?
  • Ist Calw ein Ort zum dauerhaften Leben?
  • Sind wir schon erwachsen genug um sesshaft zu werden?

Damit der geneigte Leser sich ein Eindruck vom Grundstück machen kann gibt es hier ein Panorama zu bewundern, erstellt mit der klasse App „Dermandar

In einem weiteren Posting wird’s dann um das Haus gehen, was wir gerne drauf stellen würden…