American Porter: Donkey Kong

Long time no blog entry… Wir brauen aber noch und haben verschiedene Biere gebraut, über die ich hoffentlich wieder regelmäßiger schreiben werde.

Nachdem wir mit Goomba unser erstes dunkles Bier brauten, haben wir gleich noch ein ähnliches Bier gebraut: ein American Porter. Ein American Porter ist vergleichbar mit einem Dry Stout, allerdings wird im Vergleich zum Stout hier keine Röstgerste eingesetzt sondern nur dunkel geröstete Malze. Röstgerste wird ausschließlich für den Geschmack und die Farbe eingesetzt, stark geröstetes Malz enthält auch noch ein wenig aktive Enzyme, die die Stärke während der Maische zu Zucker umsetzen können. Dadurch sind American Porter weniger aggressiv und bestimmend im Geschmack.

Donkey Kong

Biertyp: American Porter
Hefe: Safale English Ale S-04 (Saccharomyces cerevisiae)
Malze: Pale Ale, Crystal, Chocolate
Hopfen: Northern Brewer, East Kent Goldings
Stamwürze: 14,1 °P
Alkoholgehalt: 5,3 %

Zugabe von Irish Moss und Gelatine

 

Donkey Kong erschien uns für das American Porter passend, weil es sich um ein braunes Bier handelt. Donkey Kong ist ein brauner Affe aus dem gleichnamigen jump’n’run Spiel aus dem Jahr 1981.

Mir persönlich schmeckt dieses Bier besser als das Dry Stout Goomba. Es passt gut in die kalte Jahreszeit in der es gebraut wurde. Bei dem dazugehörigen Brauwettbewerb haben wir den 3. von 5 Plätzen gemacht. In meiner persönlichen Wahrnehmung war es allerdings ein nicht gerechtfertigter Platz 3, da der Biertyp von den zwei Siegerbieren nicht ganz eingehalten wurde und unseres eh besser schmeckte. 😛 (Und falls das hier von den erst und zweitplatzierten gelesen wird: eure waren auch lecker, aber das eigene Bier ist doch immer das beste 😉 )

IMG_3976

Cheers!

Treberbrot

Nach dem Maische-Prozess bleibt jede Menge Treber über. Unter Treber wird das ausgelaugte Malz im Brauprozess verstanden. Pro Brau-Ansatz bleiben bei uns zwei Eimer über. Der größte Teil davon geht an die Wildschweine im benachbarten Wildschweingehege und 500g verarbeite ich zu leckerem Schinken-Treberbrot. So ist es möglich zu selbst gebrauten Bier auch selbst gebackenes Brot zu essen, was eine fabelhafte Vesper ergibt. 🙂

Die Zubereitung ist sehr einfach und möchte ich hier kurz erläutern.

Nachdem ich das Mehl mit dem Treber vermengt habe, gebe ich Trockenhefe dazu und rühre diese unter. Anschließend gebe ich die Schinkenwürfel (das Brot schmeckt auch vegetarisch, aber wir mögen es lieber so) dazu und durchmenge alles. Eine Prise Salz und Zucker dürfen nicht fehlen, Bevor ich langsam das Bier dazu gieße. Anstelle von Wasser wird im Treberbrot Bier verwendet. Wir haben schon verschiedene Sorten ausprobiert, aber leider keinen nennenswerten Unterschied erschmeckt, so dass ich meistens ein Bier verwende, was gerade da ist (eigenes oder gekauftes). Übrigens geht der Teig besser auf, wenn das Bier Zimmertemperatur hat oder etwas in der Mikrowelle erwärmt wird, bevor es zum Mehl kommt. Die Menge an Bier, die dazugegeben wird, ist variabel, da der Treber eine gewissen Restfeuchte hat. Anschließend wird der Teig 20-30 Minuten von der Küchenmaschine durchgeknetet und an ein warmes Plätzchen zum Ruhen und Gehen gestellt. Meistens backe ich zwei Brote, so dass ich aus dem Teig zwei Laibe forme, sie einritze und mit Wasser benetze, wodurch die Kruste sehr schön krustig wird. Im Ofen werden die Laibe für eine Stunde bei 220 °C gebacken.

Das Innere des entstandenen Brotes ist sehr fluffig, weich und wird von einer krustigen Kruste umhüllt. Im Brotkasten bleibt es nach Anschnitt mehrere Tage schön frisch. Nach dem Brauen backe ich meistens zwei Laibe, die ich dann einfriere, bis wir Appetit darauf haben. Seit dem wir Brauen, kaufen wir weniger Bier und auch weniger Brot ein. Treberbrot stellt oft unser Mittagessen dar, wenn wir zum Beispiel brauen. Belegt werden die Brote dann mit Salami, Bergkäse oder anderen Dingen. Sehr gut passen auch Cornichons dazu. Wer bei uns zum Brauen vorbei kommt, zum Gucken oder mitmachen, kommt dann auch meistens in den Genuss dieser Vesper [Feschpor].

Zutaten für ein Brot:

250 g Treber
500 g Mehl
250 mL Bier
125 g Schinkenwürfel
1 Pck Trockenhefe
Prise Salz
Prise Zucker

1h bei 220 °C im Backofen backen.

Cheers!

Dry Stout: Goomba

Jetzt haben wir schon einige verschiedene Biere gebraut, aber es war noch kein wirklich dunkles dabei. Und unsere beiden Väter mögen doch so gern dunkles, so dass wir dachten zu Weihnachten, macht ein dunkles Bier ein tolles Geschenk. Während meiner Zeit als Doktorandin, hab ich das ein oder andere afterwork-Beer mit guten Freunden getrunken. Dieses Bier war meistens ein Guinness, so dass die Entscheidung recht schnell gefallen war ein Guinness-Klon-Bier zu brauen.

Ein Guinness ist ein Stout, ein dunkles obergäriges Bier mit einer ganz samtigen Schaumkrone. Die schwarze Farbe erhält man durch sogenanntes Röstmalz. Röstmalz ist stark geröstete unvermälzte Gerste, welche nur zur Farbgebung dient, da sie weder Zucker noch Enzyme liefert. Durch die starke Röstung bekommt das Bier zusätzlich noch einen herben schokoladigen/kaffeeartigen Geschmack.

Goomba

Biertyp: Dry Stour
Hefe: Danstar Windsor (Saccharomyces cerevisiae)
Malze: Pilsner, Gerstenflocken, Pale Ale, Münchner, Röstgerste
Hopfen: East Kent, Goldings
Stamwürze: 12,4 °P
Alkoholgehalt: 4,9 %

Zugabe von Irish Moss und Gelatine

 

Wir haben unser Bier wieder nach dem tasting sheet von craftbeer.com bewertet und hier sind die Ergebnisse:

Farbe und Erscheinung
Farbe:
sehr dunkel

Klarheit: brilliant (B), es war klar, aber nicht brilliant (J)
Schaum: gut (er war länger als 60 Sekunden vorhanden)
Textur: flauschig (B), schaumig (J)
Karbonisierung: medium-langsam

Aroma
Hopfen: 
holzig (J)
Malz: Rost, Kaffee, rauchig, Schokolade
Ester: harzig (B)
Geruch: Banane (B), Pfirisch (B), Vanille, Rosine (B)

Geschmack und Nachgeschmack
Alkohol: mild
Hopfengeschmack: holzig (J)
Hopfen Bitterkeit: moderat
Malz: Toast (B), Rost, Kaffee, Rauch (B), Schokolade (J)

Gaumen
Härte: wenig
Körper: austrocknend
Gaumen Karbonisierung: partiell
Geschmacksdauer: medium-lang

oxidative/Alterungserscheinungen: metallisch (B), Honig (J), dunkle Schokolade (J), wünschenswert

Balance/Trinkbarkeit: wünschenswert

Style: passend

passende Gerichte dazu: Schinkentreberbrot (B), Créme Brullée (B), Vanilleeis (B), Schwarzwälder Kirschtorte (B), Salat mit karamellisierten Walnüssen (J), Cheeseburger (J)

Zusammenfassend: Ein leckeres Stout, welches uns besser schmeckt als ein Guinness, denn das hatten wir neulich im Irish Pub zum Vergleich.

Goomba ist in der Mario Welt ein böser brauner Pilz, den man durch Draufspringen oder Abschießen los wird. Er ist ein brauner Spielcharakter und irgendwie auch ganz putzig.

IMG_0617

Cheers!

Wet Hop IPA: Bubble Bobble

Oh man, die Tage verfliegen wie im Fluge und erst jetzt komme ich dazu das Wet Hop IPA Bubble Bobble vorzustellen. Das ist das Resultat des Brauansatzes, den ich hier im Herbst mit Bildern beschrieben habe (siehe hier). Es kam auch schon die ein oder andere Nachfrage, wann ich darüber endlich einen Eintrag verfasse. Und hier ist er nun endlich. Eigentlich brauchte ich nur ein Photo, aber das hab ich mir nun von Malte Mo via Facebook ausgeliehen (Danke dafür :-P).

Das Wet Hop IPA enthält unseren eigenen angepflanzten Hopfen und ist daher irgendwie etwas besonderes. Die Rezeptur haben wir uns überlegt, so dass wir alle Hopfensorten, die wir gepflanzt haben, eingesetzt konnten. Viel Hopfen bedeutet hopfiges Bier, so dass der Stil IPA sehr schnell klar war.

BubbleBobbleBiertyp: Wet Hop IPA (all in)
Hefe: Safale US-05 (Saccharomyces cerevisiae)
Malze: Pale Ale, Karamell, Weizenflocken, Cara Dunkel
Hopfen: Columbus, Chinook, Tradition, Tettnanger, Smaragt, Perle
Stamwürze: 15,9 °P
Alkoholgehalt: 6,5 %

Hopfen gestopft mit Cascade, Comet, Mandarina

Zugabe von Irish Moss und Gelatine

Wie hat es nun geschmeckt. Als es noch sehr jung war, hat es nach frisch gemähten Rasen geschmeckt. Vermutlich war der Hopfen nicht genügend reif und zu früh geerntet. Aber als es älter wurde, hat es immer besser geschmeckt, es wurde runder und hatte keine Ecken und Kanten mehr. Um eine bessere Aussage zu treffen, haben wir uns an ein Tasting Sheet (Verkostungsbogen) von craftbeer.com gehalten. Wir haben das in einer geheimen Bewertung durchgeführt, so dass die Ergebnisse unabhängig voneinander sind und ich unsere Ergebnisse hier einmal zusammenfassen möchte (in Klammern, steht wer das dachte. keine Klammer bedeutet, dass wir das beide so sahen):

Farbe und Erscheinung
Farbe:
Wir waren uns beide einig, dass die Farbe auf folgender Farbskala zwischen 6 und 9 lag: Mitteldunkel eher heller.

color

Klarheit: es war klar, aber nicht brilliant
Schaum: gut (er war länger als 60 Sekunden vorhanden)
Textur: flauschig
Karbonisierung: langsam

Aroma
Hopfen: 
fruchtig, blumig (B), pflanzlich (B), grün
Geruch: Banane (B), Pfirisch (B), Vanille, Rosine (B)

Geschmack und Nachgeschmack
Alkohol: mild
Hopfengeschmack: fruchtig, pflanzlich, blumig, bitter (J), grün, pikant
Hopfen Bitterkeit: moderat – aggressiv
Malz: karamell, wie Brot (B)

Gaumen
Härte: medium
Körper: austrocknend (B), Mund benetzend
Gaumen Karbonisierung: gut karbonisiert (J), partiell – gut karbonisiert (B)
Geschmacksdauer: lang (mehr als 60 Sekunden)

oxidative/Alterungserscheinungen: schwarze Johannisbeere, metallisch (B), nicht wünschenswert

Balance/Trinkbarkeit: wünschenswert

Style: passend

passende Gerichte dazu: würziger Käse, wie Gorgonzola (B), Gänsekeule mit Rotkraut (J)

Zusammenfassend: es ist nicht das perfekte Bier geworden, aber es schmeckt trotzdem sehr gut.

Warum heißt es Bubble Bobble? Eigentlich nur weil Bubble Bobble ein grüner Charakter ist und es auch irgendwie grün schmeckt. 😀

12291849_1495857417383570_3459989940528358173_o

Cheers!

Red IPA: Fire Flower

Um chronologisch in der richtigen Reihenfolge zu bleiben, möchte ich Euch erst einmal noch unser Red IPA vorstellen bevor ich auf das Bier eingehe, welches ich zum Beschreiben des Brauens selbst verwendet habe.

Bei einem Red IPA ist der Name Programm, da es sehr orange ist. In dem Bild sehr ihr wie schön orange es schon während des Brauens leuchtete.

11918928_10153396549723311_9054044506519503466_n

Dieses Bier haben wir gebraut, weil wir an einem Wettbewerb teilgenommen haben: „Erster Homebrew-Wettbewerb Kreis Tübingen (Red IPA)“. Die Organisatoren beschrieben es als freundlichen Wettbewerb, bei dem jedes Bier durch alle Teilnehmer blind verkostet wurde. Der Gewinn ist die Ehre. Also nichts offizielles. Nur zum Spaß. Perfekt, unser Bier mal kritisch bewerten zu lassen. Die Vorlage war es ein Red IPA zu brauen und min. 1L bereit zu stellen.

Das Malz Red X lässt das Bier orange-rötlich erscheinen und ist daher in sogenannten Rotbieren zu finden. Da die Vorgabe war ein Red IPA zu brauen, mussten wir uns auch an die Charakteristika von Red IPAs halten. D.h. die Farbe musste stimmen, der Stammwürze- und Alkoholgehalt und auch die Carbonisierung musste stimmen. Natürlich gibt es Bücher in denen man das nachschlagen kann. Wir haben uns dabei an die Beschreibung der „BEER JUDGE CERTIFICATION PROGRAM Beer Style Guidelines 2015“ gehalten. Ein Dokument von knapp 100 Seiten, in denen sehr viele verschiedene Bierstile beschrieben sind, so dass man so seine eigenen Rezepte kreieren kann.

Aber nun zum Bier:

Fire Flower

Biertyp: Red IPA
Hefe: Safale US-05 (Saccharomyces cerevisiae)
Malze: Red X, Karamell Pils, Cara Hell, Cara Dunkel
Hopfen: Cascade, Citra, Amarillo, Mosai
Stamwürze: 16,7 °P
Alkoholgehalt: 6,5 %

Hopfen gestopft mit Mosaic und Amarillo

Zugabe von Irish Moss und Gelatine

Geschmacklich ist es echt gut. Ich mochte es von Anfang an. Ich finde es schmeckt nach einem IPA, mit einer fruchtig-blumigen und malzigen Note.

Der Name kommt durch seine Farbe. Fire Flower ist in den Mario Spielen ein collectable, was man erst einsammeln kann, wenn man vorher den Pilz einsammelt. Der Pilz macht einen groß und durch die Blume – Fire Flower – kann man dann auch schießen. Primär ging es bei der Namensgebung um die Farbe.

Um den Wettbewerb wieder aufzugreifen, wir konnten auch die Jury und die anderen Teilnehmer von unserem Bier überzeugen. Es freut uns natürlich sehr, dass nicht nur wir unsere Biere mögen :-). Unser Bier kam so gut an, dass wir planen es in einem größeren Maßstab zu brauen, so dass man es auch käuflich erwerben könnte. Aber bisher steht nur die Planung. Wenn es soweit ist, wird es natürlich hier beworben. 🙂

Es hat auch super viel Spaß gemacht, andere Biere zu probieren, sich auszutauschen, Leute mit gleichen Hobbies kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und und und.. Es wird bald eine Wiederholung geben. Was für ein Bier gebraut wird, wird noch nicht verraten. Wir geben alles, um den Titel zu verteidigen. Wir freuen uns schon drauf.

IMG_3804

Cheers!

Vom Malz bis zum Bier – Teil 1

Der kluge Mensch, so glaube mir, der braut und trinkt sein eignes Bier.

So oft werde ich gefragt, wie wir zu Hause Bier brauen. Die Frage „Habt ihr da einen großen Kessel im Keller stehen?“ kommt dabei nicht selten vor. Deswegen hab ich bei unserem letzten Sud Photos gemacht und werde nun mal ein bisschen beschreiben, wie wir zu Hause Bier brauen. Es wird drei Teile geben, da auch das Bierbrauen aus drei Teilen besteht.

  1. Einmaischen
    Zu Beginn hat man Malz und Wasser. Wir kaufen das Malz schon als Malz, aber es gibt auch die Möglichkeit Gerste oder Weizen als ganzes zu kaufen und dann zu Malz zu schroten. Verschiedene Malze geben dem Bier verschiedene Geschmäcker und verschiedenen Farben. So kann man dem Bier zB einen schokoladigen, karamelligen Geschmack geben. Je nach Dauer, Temperatur, Wassergehalt etc. bei der Malzherstellung. Wir kaufen die verschiedenen Sorten Malz im online-Handel, da wir (noch) keine Malzmühle besitzen.
    Ungefähr 6 kg Malzmischung werden in 18 L heißes Wasser (55°C) gegeben (Einkochtopfautomat), eingerührt und über eine Stunde auf 72 °C erhitzt. Was passiert da eigentlich? Die Malzmischung besteht eigentlich aus Stärke. Stärke sind aneinander gesetzte Zuckerstücke – also Polysaccharide (viele Zucker), die während des Maischens durch stufenweises Erhitzen abgebaut – also verdaut – werden zu lauter Monosacchariden (Einzelzuckern). Dieser Vorgang dauert optimalerweise so lange bis die gesamte Stärke verdaut ist. Dies kann man mit Iod nachweisen, da dieses sich mit Stärke von orange nach blau verfärbt.
  2. Läutern
    Nach dem die gesamte Stärke zu Monosacchariden abgebaut wurde, muss  die Zuckerlösung von den Resten (Hülsen etc.) – also dem Treber – getrennt werden. Dazu wird die Zuckerlösung filtriert, so dass sie in einem Eimer zwischen gelagert wird. Als Filter dient ein feinporiges Sieb und der Treber selbst. Um den gesamten Zucker zu erhalten, wird von oben heißes Wasser nachgegeben. Diesen Vorgang, bei dem so viel Zucker wie möglich aus dem Treber gewaschen wird, nennt man Läutern. Dieses Zuckerwasser, also die vergärbare Lösung, nennt sich Würze oder Bierwürze. Beim Läutern sollte man nicht zu schnell vorgehen, da man eine höhere Konzentration an Zucker erhält, umso langsamer und gleichmäßiger man filtert. Der Treber also der Filter sollte immer nass sein. Dann ist einfach die Ausbeute an Zucker in der Würze höher und umso mehr Zucker vorhanden ist, umso mehr Alkohol kann dann auch entstehen. Den Treber kann man im übrigen sehr gut zu Brot verbacken und die Wildschweine freuen sich auch über eine Zwischenmahlzeit.
  3. Würze kochen und Hopfenzugabe
    Die Würze wird dann zurück in den gereinigten Einkochtopfautomaten gegeben und auf 100 °C erhitzt. Die Kochzeiten schwanken je nach Rezept zwischen 60 und 90 Minuten. Während dieser Kochzeit werden verschiedene Hopfensorten hinzu gegeben. Auf die verschiedenen Hopfensorten werde ich in einem späteren Beitrag nochmal detaillierter eingehen. Das sprengt sonst hier den Rahmen… Vereinfacht gesagt, kann man sich das wie mit Gewürzen beim Kochen vorstellen. Je nach Aroma und Geschmack gibt man verschiedene Hopfensorten zu verschiedenen Zeitpunkten dazu. In der Regel kommt am Anfang Hopfen dazu, der für die Bitterkeit des Bieres zuständig ist. Denn dadurch wird das Bier nicht nur bitter, sondern wird auch haltbarer gemacht. Anschließend kommen Hopfen dazu, deren Aroma immer feiner werden, sprich Hopfen mit feinen Aromen kommen eher am Ende der Kochzeit dazu, damit das Aroma sich nicht wieder verflüchtigt. Es gibt mehrere Möglichkeiten der Hopfenform: Zum Einen kann man einfach Pellets im online-Handel bestellen. Pellets sind gemahlene und anschließend gepresste Hopfendolden. Vorteile sind lange Haltbarkeit wenig platzeinnehmend. und zum Anderen frische Hopfendolden. Wir haben einen Mix aus Pellets und Hopfendolden verwendet, weil wir eigenen Hopfen im Garten angebaut hatten. Von der Menge reichte dieser aber nicht, so dass wir mit Pellets auffüllen mussten. Am Ende des Kochens gaben wir noch Irish Moss dazu, was dazu dient das Bier zu klären. Das Erhitzen bei 100 °C hat auch einen praktischen Aspekt, denn alle Bakterien und Kontaminationen sind nun eliminiert worden. Das heißt auch, dass ab jetzt höchste Vorsicht geboten ist, dass man die Würze nicht (erneut) kontaminiert.
  4. Gärung
    Vor der Gärung wird die gehopfte Würze nochmals filtriert, damit der Hopfen nicht mehr im Sud schwimmt. Die Würze wird dazu in den Gärbottich filtriert und gleichzeitig gekühlt. Dazu hat Bastian eine Kühlspirale gebaut – im Prinzip ein großer Liebigkühler. Bei dieser Kühlspirale handelt es sich um einen Schlauch (wie bei der Dusche), der mit Wasser aus der Zisterne durchgespült wird. Das Wasser wird zurück in die Zisterne geleitet. Die Spirale wird dadurch kalt und kühlt den Sud ab. So können wir innerhalb von 15 Minuten den Sud von 100 °C auf 25 °C abkühlen. Diese Abkühlung ist notwendig, da im nächsten Schritt die Hefe dazu gegeben wird. Wie ihr sicherlich vom Backen wisst, mag es die Hefe mollig warm, aber nicht zu heiß, denn sonst stirbt sie. So ist das beim Bierbrauen eben auch. Wir kaufen die Hefe als Trockenhefe und re-hydrieren diese 30-90 Minuten vor Einsatz bei 25-27 °C in Wasser. Wenn die Würze die richtige Temperatur besitzt, wird die Hefe hinzugeben, der Gärbottich verschlossen und in den Keller gestellt. Damit es zur Gärung bei ca 20 °C kommen kann. Der Gärbottich ist kein geschlossenes System, da bei der alkoholischen Gärung aus Zucker nicht nur Alkohol sondern auch Kohlenstoffdioxid wird. Kohlenstoffdioxid ist ein Gas, welches aus dem System entweichen muss, sonst platzt der Bottich. Dazu wird auf den Gärbottich ein Gärröhrchen gesetzt, welches mit Wasser gefüllt ist. So kann Gas entweichen aber keine Verunreinigungen in das System eindringen, da dies durch das Wasser von außen geschützt ist. Und nun muss man 7-10 Tage warten.

Die Stammwürze bestimmen wir mit einer Spindel,die uns den Zuckergehalt und den Gehalt der nicht-flüchtigen Stoffe aus Malz und Hopfen in °P (Grad Plato) angibt. Mit diesen Werten können wir später den Alkoholgehalt berechnen. Aber dazu mehr im nächsten Blogbeitrag.IMG_3753

Cheers!

Neues Hobby: Homebrewing

Was ist craft beer eigentlich? Wie sollte es anders sein, der Begriff kommt aus dem US-amerikanischen und bedeutet wortwörtlich handwerkliches Bier. Es handelt sich also hierbei um Biere, die unabhängig von einem Konzern im kleinen Maßstab gebraut werden. Aber das ist eigentlich nur eine trockene Beschreibung. Oftmals denkt man bei Craftbieren an sehr hopfige Biere, wie zum Beispiel Pale Ales. Aber ich denke dass auch weniger hopfige Biere Craftbiere sein können und dass nicht jedes Pale Ale ein Craftbier ist. Für mich persönlich sind Craftbiere Biere, die sich durch ihren individuellen Geschmack hervorheben. Die ihren individuellen Geschmack durch das Experimentieren der Zutaten – Wasser, Hopfen, Malz und Hefe – erhalten haben.

Wie kommen wir nun dazu Biere selbst zu brauen? Wir kamen schon mehrmals mit Bieren in Berührung, die anders schmeckten als Pils oder Weizen. Als wir 2012 Flitterwochen in Colorado machten, machten wir eine Microbrewery tour durch Denver. Das war so mein erster Kontakt mit anders,  vielfältiger schmeckenden Bieren. Bastian flog zu der Zeit beruflich häufig nach New York, wo er viele verschiedene Craft beer Sorten kennenlernte und zu Hause davon schwärmte. Mich machte das neugierig. Wir besuchten die Braukunst Live in München und für mich eröffnete sich eine ganz neue Welt an Biergeschmäckern. Dort lernten wir viele Bierbrauer kennen, von denen einige im Keller begonnen haben ihre Biere im kleinen Maßstab zu brauen. Auch Bastians amerikanische Arbeitskollege braute im Keller selbst. So schwer kann das also nicht sein. Und was für ein tolles Hobby für einen Ingenieur und eine (Bio)Chemikerin? So reifte die Idee, dass wir unser eigenes Bier brauen wollen. Das aller erste Bier brauten wir zu Ostern 2014 und es kam ein Pale Ale bei raus. Kein besonders raffiniertes aber es war ein Bier, was uns schmeckte. Während Bastian in China war, haben wir uns überlegt, was als nächstes gebraut werden soll und wie unsere kleine Brauerei denn eigentlich heißen soll.

Durch das Probieren von verschiedenen Bieren auf der Braukunst Live oder in Peking oder von mitgebrachten Bieren aus den USA hat sich ein bisschen herauskristallisiert, dass wir beide gern eher die hopfigen Bieren mögen. Ich mag es vor allem, wenn die Bitterkeit der hopfigen Biere mit einer fruchtigen Note abgerundet wird. Im englischen nennt man Leute, die gern hopfiges Bier trinken, hop head. Wir brauen unser Bier im Schwarzwald also wollten wir auch einen deutschen Namen für unsere Brauerei haben. So kamen wir zur Übersetzung von hop head zu Hopfkopf. Bastian hat ein kleines Logo gebastelt und so konnte unser Hobby beginnen.

Ich werde also in Zukunft hier eine kleine Beschreibung unserer Biere posten und wie sie geschmeckt haben. Auf die Vorgehensweise des Brauen möchte ich auf diesen Wikipedia-Artikel verweisen. Unsere Biere brauen wir ja für uns, so dass vielleicht nicht jedes Bier 100%ig dem Reinheitsgebot entspricht, da wir auch belgische Biere brauen möchten.

In diesem Sinne erstmal: Cheers!

hopfkopf_logo_dark