Designpreise – Nachtrag zum Red Dot Design Award

Im letzten Artikel lästerte äusserte ich mich kritisch über den Red Dot Design Award.
Heute fand ich diesen lesenwerten Text von Katharina Altemeier über Design Awards und den Red Dot Award im speziellen.
Was ich als Laie aus dem Bauch ‚raus fühlte wird hier fachfrauischer analysiert: Der Red Dot Award tendiert zur käuflichkeit bzw. benachteiligt die „Underdogs“ dardurch, dass man sich erstmal einkaufen muss.

Der Text wurde übrigens mit dem COR Preis Wohnen und Design 2012 für deutschsprachige Printmedien ausgezeichnet.

Sehr lesenswert:
Gestaltherrschaft (PDF)

Red Dots

Wahrscheinlich kennen die meisten Leser hier den Red Dot Award – Ein Designpreis der nach für mich nicht erkennbaren Kriterien vergeben wird. Alles was nicht 08/15 aussieht sondern irgendwie „designed“ ist bekommt so nen Award. Durch zahlreiche Kategorien, Award in Gold und Silber sowie „honourable mention“ ist sichergestellt, dass jeder seine Trophähe bekommt. Natürlich hat auch das HUF Haus einen solchen Award. Versteht mich nicht falsch – aber für mich ist dieser Award einfach zu inflationär. Überall taucht das Symbol auf – Im Miles&More-Magazin, im Miele-Prospekt, In der Auslage von WMF und Siemens, … Jeder große Hersteller hat eine  red dot geadelte Produktreihe.
Interessantere Awards verleiht bspw. das Design and Art Direction Board (D&AD) in Form der Yellow Pencils. Nevermind.

Nun. Ab heute haben wir auch unseren Red Rot – Hierzu brauchte es keine Jury und keinen Award aber zumindest eine Jury die meint, dass wir unser Art 2 so bauen dürfen wie wir wollen. Mit Firsthöhenüberschreitung, Drehung um 90° und Traufhöhe. Die Jury hat entschieden und trotz den Einwänden eines Nachbarn den Red Dot verliehen.

Red Dot für Calw Wimberg

Dieser Red Dot oder eher Rote Punkt ist gleichbedeutend mit der Baugenehmigung.
Und genau diese haben wir heute bekommen – Der Rote Punkt kommt als transparente Plastikhülle mit großem, transparenten Punkt drauf. In der Hülle stecken unsere Kontaktdaten sowie Kontaktinfo des Architekten und Bauleiters.

Da ich mir heute für Hausbau-Themen eh‘ frei genommen hatte konnte ich den Tag nutzen um nun mit Baugenehmigung bewaffnet gleich die nächsten Termine festzulegen:
Nächste Woche wird die Grobabsteckung erfolgen und voraussichtlich die Woche darauf die Ortsbegegnung mit Tiefbauer und Kellerbaufirma Knecht.
Zwischenzeitlich hat auch HUF mir mitgeteilt, dass der Hausaufbau wohl ab KW11 – also mitte März stattfinden könnte. Wenn mir Tiefbauer, Kellerbauer oder aber Wetter keinen Strich durch die Rechnung machen, könnten wir diesen Termin auch schaffen.

Um sicherzustellen dass die Vermessung nächste Woche reibungslos läuft war ich noch mal beim Baugrund heute und hab nach dem Rechten geschaut – Ein paar Büsche/Bäumchen stehen noch aber die dürften für den Tiefbauer kein Problem darstellen. Weil aber evtl. für den Vermesser die Bäume und Aushubreste der Nachbarn ein Problem sein könnten hab ich mal ein paar Fotos gemacht und dem Vermesser bereitgestellt. Natürlich wissen die Nachbarn mittlerweile, dass wir unser Grundstück nun „brauchen“ und daher zu räumen ist.

Während also ab nächster Woche durch die Grobabsteckung auf unserem Grundstück die ersten Fakten sichtbar werden wird in Hartenfels bislang „nur“ Papier bearbeitet. Heute um 7:30!! bekamen wir von Frau Ausstattungsprotokoll die Dispositionspläne mit allen Elektro-Anschlüssen als PDF und hoffentlich morgen in Papier.  Unsere Sonntagsaufgabe wird also das Review aller Schalter, Steckdosen, Leerrohre und Netzwerkanschlüsse sein.
Dieses Review wird aber voraussichtlich das letzte sein, so dass hiermit die Produktionspläne final entschieden werden.

Langsam wird es ernst und aus Luftschlössern formen sich reale Ergebnisse – Die Spannung steigt 🙂

 

Skelette aus Holz?

Jetzt hab ich ja schon über’s Grundstück und den Termin von gestern geschrieben aber noch garnichts über das Haus selbst. Here you are.

Was unser Haus alles können soll muss noch erstmal ein bisschen warten. Erstmal ein paar Takte über den Haustyp im allgemeinen. Wenn man im Netz nach modern erscheinenden Häusern sucht stößt man allenortes auf Häuser im „Bauhaustil“. Mies van der Rohe und Le Corbusier hätten sich im Grabe umgedreht. Nein. Nicht alles was weiß, Würfelförmig ist und schwarze Fensterrahmen besitzt ist Bauhausstil. Wer sich einen first-hand Eindruck verschaffen will, wie gut echte Bauhaus-Architektur ist, sei ein Besuch in der Weissenhof-Siedlung in Stuttgart empfohlen.

Anyhow. Nach anfänglichen Netzrecherechen besuchten wir aus Spaß eine Musterhaussiedlung von Fertighäusern in Fellbach, schauten hier und da. Das Konzept Fertighaus erschien und erscheint mir attraktiv. Wie überall gibt es gute und schlechte Anbieter (vermute ich mal), teure und billige. Was ich mir von einem Fertighaus aber tendentiell verspreche ist eine höhere Fertigungsqualität: Wenn ich mir so manch demotivierten Handwerker im Nieselregen auf einer Baustelle vor sich hinwerkeln sehe fällt es mir schwer zu glauben, dass dabei höchte Qualität ensteht. Dahingegen werden Bauteile eines Fertighauses in der Regel unter optimalen Produktionsbedingungen auf geeigneten Fertigungsanlagen maschienenunterstützt hergestellt. Brave new world.

In eben dieser Musterhaussiedlung standen also nun Häuser aller couleur. Die meisten also mehr oder minder normal. Heraus standen für mich zwei Häuser, die folgende Eigenschaften teilten:

  • Rahmenlose, fest verbaute Glasscheiben vom Fußboden bis zur Decke.
  • Klare Formen und Konturen
  • Farbliche Reduktion auf Schwarz und Weiß
  • Kein Verstecken der tragenden Konstruktion
  • Tragende Konstruktion aus schwarzen Holzbalken

Super! Genau mein Ding. Anfänglich gefiel’s mir einfach gut. Nach Freud’scher Psychoanalyse meines Inneren führe ich meine Zuneigung zu diesem Haustyp auf die Frühkindlichen Erinnerungen aus meinem Elternhaus zurück: Dort gibt’s auch Panorama-Glasscheiben (wenn auch nicht Rahmenlos), die in schwarzem Holz eingefasst sind.

Die beiden Häuser in Fellbach sind:

Musterhaus DaVinci:

 

 

 

 

 

Musterhaus HUF:

 

 

 

 

 

Aha! Sowas wollen die Herren und Damen Stahmer also haben.Sieht ja aus als wenn Piet

Mondrian sich mal in Häusern versucht hätte und nur dummerweise seine Farbpalette vergessen hätte. Fast. Bei HUF hatte er zum Glück noch eine große Tube Preussisch Blau für die Tür dabei.

Was zeichnet diesen Haustyp aus und warum sehen die beiden Häuser fast gleich aus?

Beide Häuser sind Holzskeletthäuser, d.h. die schwarzen Balken sind nicht nur Styling sondern tatsächlich die tragende Konstruktion, wie bei einem Fachwerkhaus. Erst diese Konstruktion erlaubt es überhaupt so üppige Fensterkonstruktionen zuzulassen. Sucht man mal im Netz nach „Holzskeletthaus“ wird man feststellen, dass alles was man findet dem gleichen Stil mehr oder minder folgt. Mal andere Farben, mal andere Maße aber das Erscheinungsbild bleibt gleich.

Das tolle ist, wenn man erstmal so einen Begriff hat, weiß man wonach man suchen muss.

Es soll also ein Holzskeletthaus werden. Aber warum eigentlich?

(hier wollte ich eigentlich aufschreiben, was mir an dem Haus gefällt. Aber beim Aufschreiben stellte ich fest, dass das jemand anderes schon viel besser gemacht hat. Dieser jemand anderes ist ein gewisser Dieter Rams. Also known als the godfather of good design.)
Ich will einmal versuchen, seine Thesen auf die Holzskeletthäuser anzuwenden.
Ich widerspreche nicht, wenn mir eine gewisse Voreingenommenheit vorgeworfen wird. Nevermind:

Gutes Design ist innovativ
Die Möglichkeiten für Innovation sind noch längst nicht ausgeschöpft. Die technologische Entwicklung bietet immer wieder neue Ausgangspunkte für innovative Gestaltungskonzepte, die den Gebrauchswert eines Produktes optimieren. Innovatives Design entsteht aber stets im Zusammenhang mit innovativer Technik und ist niemals Selbstzweck.

Direkt hier beim ersten Punkt musste ich am längsten überlegen. Aber ich als Laie denke: Mit so viel Glasflächen Spannweiten von max 3m (HUF) zu überbrücken und trotz der vielen Fenster ca. 55kWh/qm zu erreichen bedarf einer ganzen Ecke KnowHow.
Mangelnde Innovation hinsichtlich Konstruktion und Materialien kann ich also nicht erkennen.

 

Gutes Design macht ein Produkt brauchbar
Man kauft ein Produkt, um es zu benutzen. Es soll bestimmte Funktionen erfüllen – Primärfunktionen ebenso wie ergänzende psychologische und ästhetische Funktionen. Gutes  Design optimiert die Brauchbarkeit und lässt alles unberücksichtigt, was nicht diesem Ziel dient oder gar entgegensteht.

Ein Haus ist zum Bewohnen da. Soweit, so gut. Ein Holzskeletthaus erfüllt ist also schon mal brauchbar. Was durch das Holzskelett erreicht wird ist durch den Verzicht auf tragende Wände zugunsten der Pfosten eine maximal flexible Raumaufteilung sowie – sofern gewünscht – der Verzicht auf Wände. Somit kann die spezifische brauchbarkeit für den Hausbesitzer maximiert werden.

 

Gutes Design ist ästhetisch
Die ästhetische Qualität eines Produktes ist integraler Aspekt seiner Brauchbarkeit. Denn Geräte, die man täglich benutzt, prägen das persönliche Umfeld und beeinflussen das Wohlbefinden. Schön sein kann aber nur, was gut gemacht ist.

 

Ästhetik ist natürlich höchst subjektiv. Und nein, ich habe nicht die Häuser nach vorhandensein des Goldenen Schnittes untersucht um zu versuchen, Objektivität mit hereinzubringen. Aber pauschal gesprochen wirkt bei HUF für mich das Verhältnis von Flächen und Balken im Kontrast Schwarz/Weiß ausgeglichen und wohlproportioniert. Gleiches gilt für die Verhältnisse von Dachüberstand, Dachneigung und Abmaße. Wie gesagt, dies ist ein sehr subjektiver Punkt.

 

Gutes Design macht ein Produkt verständlich
Es verdeutlicht auf einleuchtende Weise die Struktur des Produkts. Mehr noch: es kann das Produkt zum Sprechen bringen. Im besten Fall erklärt es sich dann selbst.

True. Die Holzskelettbauweise ist für jeden frei sichtlich. Es ist sofort erkennbar wo ein Geschoss endet und das nächste beginnt. Eine Wandfläche wird von einer Glasfläche durch eine klare schwarze Linie getrennt. Es genügt ein Blick auf eine Fassade / Wand und es ist klar, welche Funktion eine Fläche / Balken erfüllt.

 

Gutes Design ist ehrlich
Es lässt ein Produkt nicht innovativer, leistungsfähiger, wertvoller erscheinen, als es in Wirklichkeit ist. Es versucht nicht, den Verbraucher durch Versprechen zu manipulieren, die es dann nicht halten kann.

Mein Lieblingspunkt. Bei diesen Holzskeletthäusern, vor allem bei der HUF-Konstruktion wird nichts versteckt. Balken liegen auf Balken, Balken sind verschraubt. Die Verschraubungen sind mit Unterlegscheiben und Hutmuttern fixiert. Kreuzen sich zwei Balken, liegen diese aufeinander. Keine Verblendungen, keine schwarzen Verfugungen um Spalte zu überdecken. Gerade dieser Punkt überzeugt mich. Eine gute Konstruktion hat es nicht nötig, sich zu verstecken sondern kann die gute Ausführung zur Schau stellen.

 

Gutes Design ist unaufdringlich
Produkte, die einen Zweck erfüllen, haben Werkzeugcharakter. Sie sind weder dekorative Objekte noch Kunstwerke. Ihr Design sollte deshalb neutral sein, die Geräte zurücktreten lassen und dem Menschen Raum zur Selbstverwirklichung geben.

Unaufdringlich… Hm. Wer das Haus mit einem Standardhaus vergleicht wird natürlich zuerst das Design bemerken. Ist es deshalb auffällig? Ich würde sagen „anders“.  Hat man diesen Umstand aber erstmal akzeptiert, teilt das Design des Hauses den Raum in klare Flächen und Formen auf. Daher lasse ich den Punkt auch mal für unseren Haustyp gelten.

 

Gutes Design ist langlebig
Es vermeidet modisch zu sein und wirkt deshalb nie antiquiert. Im deutlichen Gegensatz zu kurzlebigem Mode-Design überdauert es auch in der heutigen Wegwerfgesellschaft lange Jahre.

Ja. Bei diesem Punkt geben mir die letzten ca. 30 Jahre recht. So lange gibt es diesen Haustyp meines Wissens nach schon und wenn ich mir alte Bilder im Netz anschaue muss ich sagen dass sich die Form nicht groß verändert hat und noch immer zeitlos gut aussieht. (Achtung. Der Schreiber ist vielleicht verblendet.) Zumindest finde ich bei allen Häusern von HUF kein Terracotta, Schwammtechnik oder aber Orangegrelle Fassaden.

 

Gutes Design ist konsequent bis ins letzte Detail
Nichts darf der Willkür oder dem Zufall überlassen werden. Gründlichkeit und Genauigkeit der Gestaltung sind letztlich Ausdruck des Respekts dem Verbraucher gegenüber.

Zur Erfüllung dieser These führe ich meine Erfahrungen vom Letzten Wochenende an:
Ich hatte einen Grundriss von HUF vorliegen, den ich auf den Prüfstand stellte. Es galt zu schauen ob man die EIngangstür von der Querseite auf die Stirnseite verlegen könne. (Der Grundriss ist mit Sicherheit mind. einen eigenen Blogeintrag wert)
Um das Ganze für hier abzukürzen: Ich habe ca. 4 Stunden herumgepuzzled und geschaut ob ich eine annähernd gute Raumaufteilung und Raumeindruck-erhaltende Version aufstlellen kann. Nein. Kann ich nicht. Meh. Immerhin hat Herr Architekt das auch nicht geschafft. Der also ursprünglich von HUF bereitgestellte Grundriss erfüllte die von Diddy Rams aufgestellte These.

 

Gutes Design ist umweltfreundlich
Das Design leistet einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Umwelt. Es bezieht die Schonung der Ressourcen ebenso wie die Minimierung von physischer und visueller Verschmutzung in die Produktgestaltung ein.

Das hier ist einfach. 55kWh/qm, Großzügige Verwendung von nachhaltig angebautem Holz, dazu Einsatz von Geothermie, Solar und/oder Luftwärmetauschern bei HUF.
Natürlich gibt es mit Sicherheit Passivhäuser oder Plushäuser, allerdings sehe ich bei den gegebenen Fensterflächen einen solchen Wert als umweltfreundlich an.

 

Gutes Design ist sowenig Design wie möglich
Weniger Design ist mehr, konzentriert es sich doch auf das Wesentliche, statt die Produkte mit Überflüssigem zu befrachten. Zurück zum Puren, zum Einfachen!

Natürlich ist alles Gestaltet, d.h. auch designed. Aber erfüllt alles sichtbare eine Funktion. Sei es Durchlassen von Licht, Tragen einer Konstruktion, Verbinden von Elementen. Von Jugendstilhaften Ornamenten, Fresken, Schnörkeln, zusätzlichem Ballast, … ist nichts zu finden. By the way: Sagt Dieter Rams hier grad, dass Frank Gehry kein gutes Design macht?

Über einen kritischen Diskurs über oben von mir geschriebenes würde ich mich sehr in den Kommentaren freuen.

Über das Für und Wieder der verschiedenen Anbieter  (ja es gibt noch mehr neben DaVinci und HUF) geht’s dann in einem anderen Artikel weiter.