Roadtrip durch Skandinavien während der Elternzeit

Unsere Urlaube waren in den letzten Jahren meistens Outdoor Aktivitäten – wandern, Kanutour etc. Da wir nun nicht mehr nur zu dritt sind, sondern zu viert und das jüngste Familienmitglied erst 5 Monate alt ist, gehen natürlich lange Wanderungen mit Zelt in diesem Jahr nicht. Da für uns eine Ferienwohnung zu nehmen nicht in frage kam und wir auch nicht 100% darauf verzichten wollten draußen zusein, kam die Idee auf, dass wir einfach mit einem Van mit Aufstelldach zum Nordkap fahren könnten. Genügend Zeit dank der Elternzeit hatten wir und den Van dank Dienstwagen auch.

5 Wochen Zeit – Elternzeit + Urlaub – lagen vor uns. Auf gehts ins Abenteuer mit Baby und Hund zum Nordkap.

Da in Skandinavien (außer Dänemark) das Jedermannsrecht herrscht und man so überall schlafen darf, haben wir im Vorfeld sehr wenig geplant – eigentlich nur die Fähre von Hirtshals, Dänemark nach Kristiansand, Norwegen. Es sollte also über Norwegen zum Nordkap gehen und über Finnland, Schweden wieder zurück in den Süden.

In Norwegen starteten wir mit zwei scenic routes: Sognefjellet und Aurlandsfjellet. Die beiden scenic routes führten uns durch wunderschöne Landschaft mit Fjorden, die zwischen großen Felsbergen lagen. Die Pässe führten durch Gegenden, die ans Fjäll erinnerten, wie bei unserer Fjällräven classic Wanderung am nördlichen Kungsleden vor 7 Jahren.

Der Weg führte uns vorbei am Geiranger Fjord zum Trollstigen. In Geiranger selbst hielten wir nicht, hier war es uns zu touristisch. Denn hier hält das riesengroße Kreuzfahrtschiff. Am Trollstigen machten wir ein Stopp. Das Baby war wach und es war schön hier. Natürlich haben wir auch vorher schon hier und da gehalten, um Pause zu machen. Spaziergänge, Stillen, Vesperpause etc. an schönen Orten. Wir ließen uns treiben. Das Wetter war auch ganz auf unserer Seite. Über Trondheim ging es weiter nach Norden.

Unsere Route verlief auf der E6, die uns schnell zu langweilig wurde, so dass wir uns entschieden näher an der Küste zu fahren: Helgelandskysten. Von Brønnøysund ging es an der Küste entlang bis nach Bodø über 6 Fähren. Bei eine dieser Fähren haben wir auch den Polarkreis überquert. Das wurde sogar in der Fähre angesagt. Nun waren wir in einer Region, wo es im Sommer niemals dunkel wird. Ich hatte Sorge, dass das das Baby komisch finden könnte. Die Bedenken waren unbegründet. Das Baby hat gut oder schlecht geschlafen wie immer, eher besser als zuhause. Die Landschaft war total schön, Gletscher, Fjorde, offenes Meer, Berge, Tunnel, Fähren, schöne Brücken alles dabei. In Saltstraumen, kurz vor Bodø, schauten wir uns den stärksten Gezeitenstrom der Welt an.

Von Bodø aus nahmen wir die Fähre nach Moskenes auf den Lofoten. Das war ein bisschen blöd geplant von uns, weil wir von 13 bis 18:45 Uhr an der Fähre angestanden haben. Im Nachhinein würde ich hier das Ticket vorher online kaufen. Es wollten viele Leute rüber, so dass wir keinen Platz mehr auf der früheren Fähre bekommen haben. Eine kleine Geduldsprobe für mich, denn die Fähre fährt 3h und Ankunft ist lange nach der eigentlichen Zubettgehzeit des Babys. Und natürlich wollte das Baby auch keinen richtigen Mittagsschlaf machen. Aaaaaber alles unbegründet, Fährfahrt war gut. Er wurde dann natürlich etwas unruhig, war aber weit davon entfernt laut zu weinen. Gegen 22 Uhr kamen wir also auf den Lofoten an und wir fuhren direkt zu einem großen Parkplatz in Å i Lofoten, den wir mittels der App park4night herausgesucht haben. Kein romantisches Örtchen, aber für eine Nacht ok.

In The Bakery in Å hatten wir sehr leckere Zimtschnecken und Kardamomschleifen zum Frühstück. Im Nachhinein: die besten auf dem gesamten Trip. Wir hatten uns einige Punkte rausgesucht, die wir uns anschauen wollten oder erwandern wollten. Keines konnten wir so richtig, weil es keine freien Parkplätze gab. Und das hat uns die Lofoten leider etwas vermiest. August ist scheinbar nicht die beste Zeit, um die Lofoten zu besuchen: es waren überall viele viele Menschen, so dass man auch keine Parkplätze mehr finden konnte. Jeder mögliche Parkplatz war belegt. Die Straßen sind so eng, dass auch am Straßenrand keine Möglichkeit bestand zu parken. So konnten wir die eigentlich wunderschöne Halbinsel meistens nur vom Auto aus bewundern. In Nusfjord einem kleinen Fischerort gab es einen Parkplatz, so dass wir da lang rumliefen und versuchten nicht allzu frustriert zu sein. Am nächsten Tag standen wir früh auf und waren bereits halb 10 am Wikingermuseum, um einen Parkplatz zu bekommen. Das Museum kann ich wärmstens empfehlen, denn in Borg wurde eine der größten Wikinger Siedlungen ausgegraben und zu einem Museum gemacht.

Nach 2 Tagen auf den Lofoten (wir müssen da definitiv nochmal hin außerhalb der Hochsaison) fuhren wir Richtung Alta, wo wir uns die Nordlichtkathedrale anschauten. Das Sakralgebäude wurde 2013 erst fertig gestellt und ist sehr imposant und hübsch. Anschließend folgten 3 Stunden Lappland pur bis zum Nordkap. Nachdem wir akribisch Ausschau hielten nach Rentieren und es kaum abwarten konnten, welche zu sehen, sahen wir ab einem gewissen Punkt Unmengen. Sie standen am Straßenrand und grasten oder sie standen auch mal mitten auf der Straße. So schöne Tiere, den wir so nah sein konnten.

Am 8. August 2019 17:30 Uhr war es dann endlich so weit: wir erreichten das Nordkap. 4 Grad, graues Wetter – so wie ich es mir vorgestellt habe. Wahnsinn! Ich habe mich so gefreut, dass wir es wirklich geschafft haben. Am Nordkap selbst ist es eher umspannend: Touristenzentrum und Aussichtsplattform. Und das Nordkap ist gar nicht das nördlichste Ziel, was man mit dem Auto erreichen kann in Europa. Das liegt etwa 4 km entfernt, ist aber nicht so spektakulär wie das Nordkap. Nun gut, der Weg ist das Ziel und der war bisher toll.

Nach knapp zwei Wochen traten wir also schon die Rückreise an, denn ab da ging es nur noch südlich. Am nächsten Morgen (wir schliefen über Nacht am Nordkap) fuhren wir Richtung Finnland: der Pallas-Yllästunturi Nationalpark. wir machten eine kleine Tour von 7 km auf eine Erhöhung, um einen Überblick über dan Park zu haben. Das Wetter war nicht strahlend, dafür feucht, grau. Aber das machte es so besonders, verschiedene Grau- und Blautöne waren am Himmel zu sehen, es gab tief hängende Wolken und mancherorts etwas Nebel. Wenn dort die Sonne geschienen hätte, wären wir gebraten worden, da es keinen Bäume gab, die Schatten spenden könnten. Auch hier trafen wir Rentiere, die ihre Morgenrunde 50 m von uns entfernten machten. Lisa war eher unbeeindruckt und das Baby findet im Moment alles spannend

In Rovaniemi verließen wir Lappland und überquerten erneut den Polarkreis. An dieser Stelle hat sich ein Visitorcenter niedergelassen, wo der Weihnachtsmann sein Büro hat. Ein Spektakel… 100 Giftshops, in denen man Kruscht kaufen kann… Dinge, die die Welt nicht braucht. Natürlich kann man auch den Weihnachtsmann treffen und sich photographieren lassen. Wir haben darauf verzichtet.

Die gesamte Strecke vom Nordkap bis nach Rovaniemi wurden wir von Rentieren begleitet. Sie waren überall. Nicht selten mussten wir anhalten, weil 5-6 Tiere die Straße gemächlich querten.

Übrigens trafen wir in Rovaniemi eine schlechte Entscheidung: wir fuhren an der finnischen Ostseeküste (bzw. Bottnisches Meer) Richtung Süden und glaubt mir, hier war es maximal langweilig. Nichts gegen Dänemark, aber es fühlte sich hier so an, wie wenn man von Rødby nach Helsingør fährt: Breite, lange Straße, viel Agrar und flaches Land. Puh waren wir enttäuscht. Wir haben nicht genügend gut recherchiert an dieser Stelle und im Nachhinein wäre das Landesinnere in der Seenlandschaft vielleicht schöner gewesen. Auch Finnland muss eine zweite Chance bekommen. Nun waren wir hier: Wir fuhren von Tornio nach Turku über Seinajöki. Dort gab es das Aalto Center: 6 Gebäude entworfen von Alvar Aalto, fertiggestellt in den 1960er. Klare Strukturen und wohl die wichtigste Arbeit von Alvar Aalto. Wer Architektur mag, sollte dort unbedingt vorbei fahren. Es macht Spaß dort rum zu laufen und sich alles anzuschauen.

Es ging mit der Fähre von Turku nach Mariehamn auf Åland. Åland ist eine finnische Insel zwischen Finnland und Schweden, auf der schwedisch gesprochen wird. Da diese Insel keiner haben wollte, hat sie sogar eine eigene Flagge. Knapp 6 h braucht die Fähre durch die Schären von Turku. Der Weg lohnt sich. Bei strahlend blauen Himmel kamen wir in Mariehamn an und wir waren gleich verliebt. Hier ist’s schön. Wir schauten uns ein altes russisches Militärgelände vom ersten Weltkrieg an. Es gab hier schöne Natur und es lies sich nur schwer erahnen, dass das Militärgelände war. Seit 1921 ist Åland neutral und demilitarisiert. Den Abend verbrachten wir am schönsten Schlafplatz der gesamten Reise: alleine auf einem Granitfelsen zwischen Latschenkiefern und Ausblick über die Ostsee. Zum Frühstück gab es im Café Uffe på Berget Ålandpancaka, ein Grieskuchen mit Kardamom, Sahne und Obst. Lecker! So frisch gestärkt schauten wir uns Kastelholms slotts an: eine guterhaltene mittelalterliche Burg in Sund.

Die nächsten Tage verbrachten wir in Skansen, Stockholm. Ein schönes Freilichtmuseum über Schweden, wie es mal war und manchmal noch ist. Der Besuch lohnt sich definitiv, aber vieles haben wir auf unserer Reise bereits in real life gesehen. Dennoch ist es total gut gemacht und kinderfreundlich. Südlich von Stockholm in Skärholmen schauten wir uns einen Garten an, der von Piet Oudolf designt wurde – er sah aus wie unser Garten.

Wir machten ausserdem noch Halt in Älmhult, um das Ikea Museum zu besuchen. Dort waren wir auch bei Ikea einkaufen (es regnete an dem Tag). Auf dänischer Seite hielten wir im Louisiana  Museum, Museum of modern Art. Mir fiel es persönlich schwer mich auf die Ausstellungen einzulassen. Es ging viel um das Thema Flüchtlinge und Krieg. Ich war so in Urlaubsstimmung, dass ich mich nicht so recht öffnen wollte für so ein schweres Thema. Eigentlich wollten wir noch durch Christiania in Kopenhagen laufen, allerdings hat uns der Wettergott im Stich gelassen, es regnete. Deswegen waren wir bereits nach 3 Wochen zurück in Calw.

Fazit:

Einen Roadtrip mit Campervan mit einem 5 Monate altem Baby funktioniert sehr gut. Dadurch, dass er immer in der gleichen Umgebung einschlafen konnte abends, musste er sich nur an das Auto gewöhnen und das ging sehr schnell. Tagsüber die Fahrerei hat das Baby mit genügend vielen Pausen sehr gut mitgemacht. Wir hatten zu viert (mit Lisa natürlich) eine sehr intensive und schöne Zeit. Natürlich gab es auch mal anstrengende Momente, wenn ich oder das Baby müde waren. Aber zusammengefasst war alles sehr einfach und sehr sehr schön. Die gesamte Reise waren wir ohne Kinderwagen unterwegs und nur mit Tragetuch. Das reichte vollkommen aus, es gab nie den Moment, wo ich den Kinderwagen vermisst habe.

Mit Baby würde ich auf eine Standheizung  in Skandinavien nicht verzichten auch im August. Es gab einige Nächte, in denen es nur 4 Grad hatte und die sind auch im Auto kalt. Nach dem wir in Deutschland mehrere Tage weit über 30 Grad hatten und ich am liebsten auswandern wollte, weil es mir zu heiss war, wurden wir in Skandinavien entschädigt. Es war selten über 20 Grad warm, und die Sonne schien. Für mich perfekt. Und da Bastian und ich uns da sehr ähnlich sind, war es das perfekte Sommerwetter für uns.

Wir haben während der drei Wochen immer alles selbst gekocht und waren quasi nie essen. Auch bei Regenwetter konnten wir im Van kochen oder haben Brot gegessen. Wir hatten in Deutschland ein paar Grundnahrungsmittel eingekauft und habe alles andere unterwegs gekauft. Gekühlt haben wir alles in einer Kühlbox. Eine super Idee von Bastian war, Samla Boxen von Ikea zu kaufen, um Ordnung im Van bewahren zu können. Diese Vorausdenken hat sich auf jeden Fall sehr bewehrt.

zum Schluss noch etwas Statistik:

Dauer: 22 Tage
Länge: 8400 km
Tunnel: unendlich viele
Längster Tunnel: 11 km inkl. Kreisverkehr
Fähren: 15-20 Stück
Längste/kürzeste Fähre: 5h 45 Min / 10 Min

Es gibt viele Orte, die wir auf jeden Fall nochmal besuchen wollen. Soo schade, dass es so schnell vorbei war.

Eure Jule

Kanu-Tour Schweden 2018

8 Tage Kanufahren rund um Lennartsfors mit Hund im September

Hinfahrt:

Nach einem Zwischenstopp bei der Familie in Neustadt und Bad Oeynhausen fuhren wir freitags ganz früh morgens Richtung Fjällbacka. In Fjällbacka wollten wir auf einem Zeltplatz übernachten, um am nächsten Morgen ins Camp Höglund zu fahren, wo wir unsere Kanus bekommen sollten. Fjällbacka ist ein kleines Fischerörtchen, wo Teile von Ronja Räubertochter gedreht wurden. Für einen Nachmittag und eine Nacht ist es dort sehr nett.

Kanufahren:

Camp Höglund

Das Camp Höglund ist das zentrale Camp, wo Scandtrack in Lennartsfors sitzt und mit Rat und Tat zur Seite steht. Wir sind morgens 10 Uhr angekommen und wurden sehr herzlich begrüßt. Zur Stärkung gab es dort Kaffee, Tee und Hotdogs. Selbst Lisa wurde mit einem Würstchen versorgt.

Im Camp bekamen wir auch unsere Ausrüstung: Kanu, Paddel, Versorgungstonne, weitere Utensilien wie Packsäcke, Klappspaten, Toilettenpapier, Axt, Säge, Messer, Brettchen, Seil, Tarp etc. Natürlich waren auch Zelt und Kocher dabei, da hatten wir aber unsere eigenen Sachen dabei, so dass die von Scandtrack eine Woche im Auto blieben. Wir haben uns noch einen Kanuwagen ausgeliehen, so dass das Umtragen des Kanus angenehmer ist.

Dank der guten Organisation von Scandtrack waren An- und Abreise problemlos.

Unsere Route

Wir hatten keine richtige Planung gemacht. Ich hatte Lust, Richtung Süden zur Torrskogs Källarbryggeri zu fahren. Also machten wir uns am ersten Tag Richtung Süden auf. Wir fuhren ungefähr bis Gyltenäs, wo wir die erste Nacht verbrachten. Konditionstechnisch wären wir vermutlich noch weitergekommen, aber der Südwind war recht stark und die Wellen im Vergleich zum Kanu recht hoch, so dass wir lieber kein Kenter-Risiko eingehen wollten und uns ein Schlafplätzchen suchten. Am nächsten Morgen hatte der Wind leider nicht nachgelassen. Dennoch wollten wir es Richtung Süden weiter probieren. Mit zwei anderen Kanukollegen hatten wir überlegt, es per Katamaran zu probieren. Wir verbrachten den Vormittag damit das vorzubereiten. Es funktionierte aber alles nicht und zum allen Überfluss fing es auch noch an zu regnen, so dass wir entschieden es Richtung Norden probieren zu wollen. Da hatten wir immerhin Rückenwind und den Regen nicht im Gesicht. Da durch die Umbauten bereits alles nass war (Schottland-Erinnerungen kamen hoch), steuerten wir das nähst gelegenste DANO an – DANO 71 – in der Hoffnung, dass es dort eine Schutzhütte gibt, wo wir unsere Klamotten trocknen könnten. Es gab eine Schutzhütte. Den Nachmittag über verbrachten wir damit das Zeug wieder trocken zu bekommen, was auch geklappt hatte, so dass wir am nächsten Tag mit trocknen Klamotten und Zelt (Dank Tarp-Dach) weiter fahren konnten. Wir entschieden uns den Foxen hochzufahren und eine Runde zu fahren. Durch kleine Inselgruppen ging es am Ufer entlang Richtung Nordosten mit Rückenwind. Es war wunderschön hier: dunkelblaues Wasser, blauer Himmel (mit Wolken) und grüne Ufer. Und es war überall still – traumhaft! Unsere dritte Nacht verbrachten wir in DANO 40, welches wir in dieser Nacht ganz für uns allein hatten. Wir machten ein Feuer und genossen den Abend. Für den nächsten Tag war leider Regen angesagt, so dass wir bis mittags im Zelt lagen und uns dann entschieden, doch weiter zu paddeln. Wir hatten den See für uns allein, kein anderer war unterwegs und der Regen wollten nicht aufhören. Wir waren tapfer und haben DANO 33 auserkoren als nächste Schlafstätte. Auf dieser Strecke lag für mich die blödeste Umtragestelle in Fellingsed. Sie war lang, steil, es regnete und ich war frustriert. Aber Dank eines Cornys und Bastian haben wir auch diese Stelle gemeistert. Am Abend kam tatsächlich die Sonne heraus, so dass wir auch diesen Abend unter freiem Himmel genießen konnten. Der nächste Tag war super: SONNE SONNE SONNE! Wir sind früh raus um so viel wie möglich vom Tag zu haben. In Ed kam eine kurze Umtragestelle und wir kamen zum Ned Blomsjön. Riesige Felsen kamen hier aus dem See, so dass man sich in seinem kleinen Kanu ganz schön klein fühlte. Und wir konnten unendlich weit sehen. Diese Art der Schönheit kann man eigentlich gar nicht in Worte fassen.

Kanu-Route

Hier merkten wir bereits, dass es wieder sehr windig war, sobald wir den Windschatten des Ufers verließen. Auf den Weg nach Blomma, kamen wir an eine sehr flache Stelle, wo es auch ziemlich windig war. Wir setzten auf und drehten uns zweimal auf der Stelle. Mit vereinigter Kraft schafften wir es aber uns frei zu fahren zum nächsten Ufer. Der restliche Weg nach Blomma war total schön: ein slalom-Weg ging durch Schilf wie ein kleiner Fluss, am Ende mussten wir das nächste Mal das Kanu umsetzen, aber das war heute gar nicht schlimm, da ja die Sonne schien und wir auch schon ein sehr eingespieltes Team waren. Wir kamen zu einer Bucht, wo wir das Kanu wieder ins Wasser gelassen haben. Allerdings waren hier die Wellen so hoch und der Wind so stark, dass wir lange überlegten, wie und ob wir für den Tag weiterfahren. Bei Windstärke 7 ist das schon ein bisschen beängstigend. Die Sorge des Kenterns mit den Sachen und dem Hund war groß. Ein anderes Paar überlegte es auch und entschied sich dann weiter zu fahren. Wir schauten uns an wie die beiden über die Bucht fuhren. Es sah anstrengend, aber machbar aus. Das können wir auch.  Wir schafften es immerhin bis zur anderen Seite der Bucht, wo es so schön war, dass wir hier über Nacht blieben. Hier genossen wir die Abendsonne und berat schlugen, wie es am nächsten Tag weiterginge. Laut Windvorhersage sollte es am nächsten Tag ganz früh Morgen besser sein, so dass wir am nächsten Tag 8 Uhr im Boot saßen. Ziel: gegenüberliegende Uferseite, um im Windschatten zu fahren. Wir schafften es sehr gut. Es war in der Tat wenig Wind, so dass wir auf der anderen Uferseite entschieden, Richtung Süden nach Torrskog zu fahren – vielleicht hat die Brauerei ja geöffnet. Genügend Zeit war noch. Dieser Tag war sehr entspannt. Wir fuhren am Ufer entlang Richtung Süden und kamen mittags in Torrskog an. Leider hatte die Brauerei geschlossen, aber die Kirche war es auch wert dorthin zufahren. Der Ort war sehr verschlafen, wir haben keinen Menschen gesehen – kein Eis, kein Kiosk. Nach einer Siesta fuhren wir zurück Richtung Norden zum DANO 67, wo wir unsere vorletzte Nacht verbrachten. Den letzten Tag verbrachten wir damit zurück nach Lennartsfors zu fahren, so dass wir auf DANO 72 nächtigen konnten. Samstagvormittag mussten wir nur noch zurück ins Camp Höglund, um alles wieder abzugeben.

DANOs und wild Campieren

Wir haben insgesamt auf 5 DANOs genächtigt. Alle hatte ein Plumpsklo und ausreichend viele flache Schlafplätze für die Zelte. Es gab immer mindestens eine Feuerstelle, die man sich meistens mit anderen geteilt hat, was immer sehr nett war und es gab meistens auch eine Schutzhütte. Die DANOs waren sehr gepflegt und ich habe mich dort sehr wohl gefühlt.

Schön waren aber auch unsere zwei wilden Camps. Hier gab es die Infrastruktur der DANOs natürlich nicht, aber das machte irgendwie auch nichts, ich persönlich brauche kein stinkiges Plumpsklo. 😀 Dadurch, dass in Schweden das Jedermannsrecht gilt, macht es die Route sehr entspannt. Man muss nicht zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein. Man kann einfach in den Tag leben oder paddeln.

Erste Sonnenstrahlen im DANO 72

Verpflegung

Scandtrack hat uns mit ausreichend Essen und Rezepten versorgt. Wir wären vermutlich nochmal 2-3 Tage länger mit der Verpflegung ausgekommen. Wir hatten verschiedene Dinge: Bratkartoffeln, selbst gemachte Pizza Calzone vom Feuer, Terence Hill Pfanne, Pilzpfanne, Pasta und Linseneintopf. Morgens hatten wir uns selbst etwas mitgenommen, da wir auf anderen Wanderungen schon gute Erfahrungen mit Oatmeal machten. Das gibt einen morgens gleich Kraft und Wärme.

Bohnensuppe auf dem Feuer

Kanu mit Hund

Lisa ist bereits 11,5 Jahre alt und normalerweise sind wir in unseren Outdoor-Reisen zu Fuß unterwegs. Da sie aber letztes Jahr schlapp machte, wollten wir dieses Jahr was passenderes für sie machen. Wir wollten den Outdoor-Spaß mit Lisa haben, so dass wir uns entschieden Kanu zu fahren. Hier muss sie wenig laufen, ist mit uns unterwegs und wir sind draußen.

Ich saß vorn im Kanu und Bastian und sie saßen hinten und übernahmen das Steuern des Kanus. Am schönsten waren für sie die Tage als die Sonne schien. Da hatte sie die Nase im Wind und hat die Sonne genossen. Regen ist auch für sie doof, weil sie dann nass und kalt war.

Ich habe für sie extra einen Schlafsack gekauft, so dass sie nachts nicht zu kalt wird. Das war eine gute Sache und sie hat den Schlafsack sehr gut angenommen. Ich glaube, sie hatte Spaß an dieser Tour.

Ein Müder Hund

Fazit:

Schweden ist toll! Scandtrack hat alles super im Griff und es hat sehr viel Spaß gemacht. Die Gegend war sehr sehr schön. Das nächste Mal würde ich die Route dem Wetter bzw. dem Wind entsprechend besser planen. 169 h ohne Handy und ohne Alltagsstress unter freiem Himmel zu sein ist Entspannung pur. Ich kann es nur jedem empfehlen. Wir kommen wieder!

Rückfahrt

Nach der Kanurückgabe machten wir uns auf den Weg nach Ängelholm, wo wir ein Hotel gebucht hatten. Auf dem Weg dorthin hielten wir noch in Grimeton, um uns die den Längstwellensender anzuschauen. Am nächsten Tag kamen wir nach einem Stopp in Barsbüttel um halb 1 nachts wieder in Calw an.